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Finish

So bleibt auch mir nur noch ein letzter Blog, irgendwie ein komisches Gefühl.

Karina hat ja bereits die näheren Umstände der Anreise erläutert, so dass es da nichts mehr hinzuzufügen gäbe.

Witte22Der Wettkampf begann für mich mit dem Satz des Moderators:“ Die Waschmaschine Wörthersee ist angestellt und es erwartet Euch direkt der Schleudergang!“ Genau so war es, nach den letzten Metern auf dem Sand ging es, den Kopf voran in den See. Hauen und Stechen. Die Sichtweite war unter der Wasseroberfläche gleich null, Luftblasen gab es zur Genüge, dazwischen schwarze Beine und Arme. Die Wassertemperatur lag bei 23 °C, der Einsatz des Neos also eher als grenzwertig anzusehen und es wurde sehr warm in dem Gummianzug. Geschwommen wurden zunächst 1,4 km in den Wörthersee hinein, dann 400m quer und zu guter Letzt wieder 1,4 km zurück. Die letzten fehlenden Meter ging es durch den Lendkanal, dieser von Menschenhand erbaute Kanal führte bis in die Innenstadt von Klagenfurt. Die Breite lag bei ca.6 Metern, aber nur 2 Meter tief und deswegen wurde jeglicher Schlamm aufgewirbelt. Kaum hatte ich die Mündung durchschwommen, nahm ich unfreiwillig einen tiefen Schluck dieser Brühe. Es dauerte keine 50 m, da war mir wirklich schlecht. Ich musste mein Kraulen unterbrechen und erstmal ein paar Brustschwimmzüge machen, um mich nicht direkt zu übergeben. Die letzten Meter wurden zunehmend quälend. Der Ausstieg aus dem Wasser war die Erlösung, allerdings war an schnelles Laufen nicht zu denken. So schlich ich langsam in Richtung der Wechselzone, dort angekommen, schnappte ich mir meinen Wechselbeutel und setzte mich erstmal auf eine Bank. „Du könntest dich hier eine Stunde ausruhen“, schoß es mir durch den Kopf, die Wechselzone, würde erst nach 2:30 h geschlossen werden. Hoffnung keimte in mir auf und nach 5 Minuten des Ausruhens und der Beruhigung meines Magens öffnete ich den Beutel und zog mich um. Ab aufs Rad und hier ging es gut. Bei km 9 nahm ich erstmal Verpflegung zu mir und meine Magen dankte es mir, dass er wieder etwas zu tun hatte. Die ersten 20 Kilometer am Wörthersee entlang waren genau mein Terrain, allerhöchstens wellig, daher lag ich zumeist auf meinem Aufsatz und die Geschwindigkeit konnte permanent hoch bleiben. Einen nach dem anderen kassierte ich so. „Die erste Radrunde sollst du es ruhig angehen lassen“, so hatte es in dem Buch „Mentaltraining für den Triathleten“ gestanden. Hier wurde im ersten Kapitel erläutert, was die häufigsten Gründe für das Versagen bei einer Langdistanz waren. Deswegen achtete ich genau auf meine Pulsfrequenz, diese sollte sich bei ca. 155 Schlägen pro Minute einpendeln. Zudem versuchte ich mich bei jeder Labestation, Verpflegungsstelle hörte sich ja auch zu langweilig an, zu verpflegen. Witte11Es gab Gels, Riegel, Infinit (ein Teufelszeug, ersetzt glaub ich alles, was jemals irgendjemand während eines Wettkampfes vermisst hat (Kohlenhydrate, Salze, Elektrolyte etc.)) Bei jeder Station nahm ich zumindest etwas mit, um es später zu trinken/essen. Die Höhenpunkte der Radrunde waren zum Einen der Anstieg zum Faaker See bei Kilometer 25, zum Anderen der Rupertiberg bei Kilometer 65. Der Anstieg zum Faaker See ließ bei mir eine Gänsehaut entstehen. Wer von Euch hat es nicht im Fernsehen gesehen?, die Bergankünfte der Tour de France z.B. in Alpe d’Huez. Die Menschenmassen am Wegesrand hatten die Straße auf zwei Meter verengt. Außer Brüllen, Pfeifen, Ratschen, Tröten und Anfeuerungsrufen hörte man überhaupt nichts. Der ein oder andere gab einem einen Klaps auf den Po oder schob kurz an. GIGANTISCH! Diesen Moment möchte ich nicht missen. Die Steigung verging wie im Flug, die letzten hundert Meter ging ich sogar aus dem Sattel. Oben Verpflegung aufnehmen und weiter ging es. Beim Rupertiberg waren weniger Menschen, oben allerdings hatte sich ein einzelner Fan und sein mit vielen Megaphonen ausgestatteter Bulli aufgebaut. Hier lief in einer scheinbaren endlosen Schleife „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“, zudem rief der DJ bei jedem fünften Teilnehmer „Du siehst gut aus!“. Leider war seine Anlage so groß, dass man das bereits einen Kilometer vor dem Hügel hörte. Als man dann selbst an der Reihe war, ahnte man, was er sagen würde ;.)

In Runde zwei hatte ich sogar ein Auge für die schöne Strecke. Der Wörthersee ist wirklich eine tolle Gegend. Bei Kilometer 130 setzte dann ein Gewitter ein, mit Hagel bzw. dicken Tropfen. Binnen Sekunden war die Straße mit einem dicken Wasserfilm bedeckt. Ich befand mich auf einer Abfahrt, noch in Runde eins, war ich hier mit Tempo 55 dem Tal entgegen gerast, doch jetzt war ich froh, nicht zu stürzen. „Bitte laß das aufhören!“ und so kam es auch 5 Minuten später, natürlich war ich da bereits im Tal ;.( Schnell trockneten die Straßen und auch meine Klamotten wieder, die Luft war allerdings sehr schwül geworden. Es kam daher einer Erlösung gleich, als ich den Rupertiberg passiert hatte und wieder in Richtung Klagenfurt unterwegs war.

Witte33In der Wechselzone ließ ich mir wieder einige Zeit beim Umziehen. Bammel hatte ich. Laufen, das hat im Training nie so richtig geklappt, warme Temperaturen liegen mir gar nicht…..die Vorzeichen waren also mehr als schlecht, so glaubte ich. Mein Garmin und unsere Supporter belehrten mich aber sofort eines besseren. Meine Pace lag auf den ersten Kilometern zwischen 7:15 und 7:45 km/min. Bekannte Gesichter zu sehen, spornte mich zusätzlich an. Doch mit jedem Kilometer wurde es mit dem Laufen schwerer. „Lass Dir nicht einfallen zu gehen“, so hatte es mir Carsten eingebläut. Enttäuschen wollte ich ihn keinesfalls, aber die Beine waren so schwer. Jeder Schritt wird zur mentalen Herausforderung. „Beweg Dich!“ spornte ich meine Füße an. Bis zur Halbmarathonmarke kam ich so doch voran. Es war 18:00 Uhr, seit 11 Stunden war ich unterwegs. Der längste Tag, so bezeichnen die Athleten gerne einen Ironman, und genau so war es.

17 h – 11 h = 6 h.

Mir sollten also noch 6 h verbleiben. „Mich kriegt Ihr nicht! DAS hole ich mir jetzt! Ich will diese blöde Medaille!“

Bei Kilometer 27 musste ich allerdings doch gehen, zu schwer waren meine Beine. Meine Pace lag inzwischen in den hohen 8er Zeiten. Bei Kilometer 28 und einer Labestation, an der es crushed Ice für die Athleten gab (das ich mir nur all zu gerne in meine Laufkappe streute), konnte ich wieder in einen leichten Trab verfallen. Es war eine Pendelstrecke, und so entging mir nicht, dass Karina sich anschickte, mir noch den Schneid abzukaufen. Mir war vollkommen klar, wenn sie dich einholt, dann würde es doch noch eine ganz schwere Kiste. Bei Kilometer 32 besuchte ich erstmals an diesem Tag ein stilles Örtchen. Kurzzeitig hatte große Angst, dort einzuschlafen, aber ich stand so unter Strom, dass ich mich nach 10 Minuten wieder auf den Weg machte. Bei Kilometer 37, inmitten der Klagenfurter Innenstadt traf ich Karina, sie musste noch 500 m bis zum Wendepunkt zurücklegen. „Los! Die anderen warten alle auf Dich!“ feuerte mein Schatz mich an, „und die willst Du nicht enttäuschen“, ergänzte ich im Kopf. Es geschah etwas, was ich bisher nicht kannte. Witte44Nach 13:30 h bekam ich die zweite Luft. „Es ist dein Tag! Zeig es Ihnen!“ und irgendwie lief ich wie im Rausch. Meine Pace sank auf 5:45 h/km. Fragt mich bitte nicht, wie man diesen Zustand erreicht, aber die letzten 5 Kilometer lief ich schneller, als ich es zumeist im Training vermocht hätte. Kurz vor dem Einlauf in das Zielarreal kam nochmal eine Kreuzung. Rechts ging es auf die Laufrunde, Links zum Ziel. Kurz hinter der Kreuzung, auf der rechten Seite befand sich eine Labestation. „Du hast es geschafft, genieß es!“, so holte ich mir erstmal noch eine kalte Cola, verwirrte den Volunter, der dort seinen Dienst tat. Denn ich war ja erst vermeintlich auf die Laufrunde abgebogen und kam dann doch zurück, um in Richtung des Ziel zu gehen. GEHEN! Die Dämmerung hatte eingesetzt, Musik ist zu hören, der Moderator war gut zu verstehen. Niemand vor mir, niemand war hinter mir zu sehen. Also genoß ich den Gang ins Ziel über den blauen Teppich! Es war geschafft! Mit einem gewissen Stolz ließ ich mir die Medaille um den Hals hängen.

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Wir haben Gerockt, Ihr habt Gerockt!

Iron-Duo, ab jetzt ist der Name Programm, wir haben es geschafft. In etwas über 14h sind Chriss und ich 3,8km geschwommen, 180km bei 1600hm mit dem Rad gefahren und Marathon gelaufen. Nach fast 12 Monaten der Vorbereitung haben wir den „längsten Tag des Jahres“ völlig verletzungsfrei und mit großartiger Unterstützung von vielen Seiten verleben dürfen, großartig. Und nun kann ich von mir behaupten, Iron-Karina zu sein, noch besser.

Aber ich denke, ich fange einfach von vorne an, damit ich Euch (über die Bilder, die viele von Euch im Internet verfolgt haben, hinaus) einen Eindruck unserer Erlebnisse vermitteln kann.

Nach zwei trainingstechnisch sehr durchwachsenen Wochen, in denen zum Ende hin auch einfach die Luft raus war, haben wir uns am Dienstag in der Abenddämmerung mit Conny und Bianca (Chriss’ Arbeitskolleginnen und Teil des weltbesten Ironman-Supporterteams) auf den Weg nach Klagenfurt gemacht. Und wer schon einmal mit dem Wohnwagen unterwegs war, kann sich ungefähr vorstellen, wie es sich anfühlt, 1095km mit Tempo 80 über die Autobahn zu zockeln. Aber immerhin waren wir Mittwochs im Laufe des Nachmittags am Ziel, so dass es noch für einen kurzen Rundgang reichte, bevor Donnerstag die Radstrecke unter die Reifen genommen werden sollte. Gerade nach den Erfahrungen im Sauerland am Wochenende nach unserer Hochzeit hatte ich echt Bammel vor dem, was da vor uns liegen sollte. Aber siehe da, die ersten 40km liefen völlig ohne Probleme und auch die erste der Steigungen, die mit über 12 % bergauf führte, stellte mich nicht vor unlösbare Aufgaben. Im weiteren Verlauf folgten noch eine langgezogene Auffahrt durch ein Dorf und der sagenumwogene Rupertiberg, der auf fast 2km 150hm zu bieten hatte. Dass der einem auf der zweiten Radrunde am Sonntag den Zahn ziehen könnte, war zu erahnen, am Donnerstag lief es alles sehr entspannt. Noch eine tolle Kaffeepause zum Ende hin und dann führten die letzten 15km zurück nach Klagenfurt nur noch leicht bergab, fantastisch! So kamen wir überaus entspannt und sehr erleichtert meinerseits wieder am Zeltplatz an, die Angst vor der Radstrecke war mir in ab diesem Zeitpunkt genommen. Im Laufe des Abends kam dann noch mein Bruder Fabi nach 13h Zugfahrt in Klagenfurt an, unsere Supportermannschaft war damit komplett. Mit Fabian habe ich am Freitag dann auch noch einen Teil der Marathonstrecke abgelaufen. Mann, haben wir geschwitzt, und noch in den Morgenstunden. Zwar hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt schon etwas Zeit gehabt, uns zu akklimatisieren, aber der Respekt vor den für Sonntag angesagten 36° wurde nach unserer Laufrunde nicht kleiner. Auch die Aufregung vor dem Ironman im Übrigen nicht, im Gegenteil, es war ein sehr merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass das die letzte Trainingseinheit gewesen sein sollte. Von daher haben Fabi und ich sie auf unsere Weise genossen und am Wendepunkt erst einmal eine kleine Erholungspause eingelegt. Mit den Worten: „Vielen Dank an die Gemeinde Krumpendorf!“ ließ Fabian sich genüsslich auf die gemeindeeigene Bank sinken und wir vernichteten unsere Getränkevorräte. Ein perfekter Vormittag, wäre da nicht noch der Rückweg gewesen. Und dort machten sich die Herausforderungen, die der Sonntag noch für uns bereithalten sollte, langsam bemerkbar: kilometerweit neben der Bahntrasse geradeaus, das ist einfach nicht meine Laufstrecke, aber egal. Nachmittags konnte ich noch eine Laufhose auf der Ironman-Expo erstehen, bevor wir dann zusammen mit einem Großteil der Campingplatzbewohner die holländische Nationalmannschaft gegen Brasilien ins Halbfinale geschrien haben.

Der Samstag begann mit der Rennbesprechung, die mir viele der Hoffnungen, die ich in Sonntag gesteckt hatte, wieder zerstörte. So wurde unter Androhung der Disqualifikation verboten, sich auf der Laufstrecke von jemandem begleiten zu lassen und jegliche technische Hilfsmittel zu benutzen. So starben der Plan, mir von Fabian Geschichten erzählen zu lassen und der, einfach im Takt meiner gewohnten Laufmusik zu laufen, innerhalb von einer Minute gleichzeitig. Auch sonst wurden allerhand Strafen angedroht, aber auch einige wichtige Informationen gegeben, so dass wir genau wussten, wo die Räder abzustellen waren und welcher Wechselbeutel an welchen Haken gehörte. Wie genau wir den extrem schwülen weiteren Tag überstanden haben, weiß ich nicht mehr so ganz genau, aber nachmittags habe ich einen gewissen Maradonna zu meiner großen Freude weinen sehen. Wie war das noch: Mitleid ist das Gefühl, wenn man sich freut, dass andere leiden… Das zweite Spiel konnte ich nicht mehr bis zum Schluss verfolgen, das Bett rief.

Schließlich mussten wir am Sonntag um viertel vor fünf aufstehen, um nach dem Frühstück die Räder noch einmal aufzupumpen, den Tacho anzubringen und sich dann im Neoprenanzug in Richtung Start aufzumachen. Unglaublich, wie viele Zuschauer das alles auch auf sich nehmen, nur um um sieben Uhr den Schwimmstart mit verfolgen zu können. Und nach dem Startschuss machten sich alle schnell auf den Weg. Alle? Nein, ich habe anscheinend den Anschluss verpasst, zwischenzeitlich ein Schläfchen eingelegt oder bin grob von der Spur abgekommen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich trotz Kontaktlinsen nach gut 10min weder die Bojen noch die anderen Schwimmer sehen konnte. Mann, war das ein Kampf. Schließlich hatte ich zumindest einen Schwimmer neben mir. Der war zwar brustschwimmend unterwegs, hatte deswegen aber den unschlagbaren Vorteil, dass seine Badekappe die ganze Zeit sehr gut zu sehen war. Meine Versuche, ihn zu überholen, weil meine Kraft eindeutig mehr hergegeben hätte, endeten jedes Mal kläglich, indem ich völlig von der Spur abkam. Also fügte ich mich meinem Schicksal und blieb einfach neben ihm, bis wir in den nur wenige Meter breiten Lendkanal einschwammen. Und dort, wo die schnelleren Schwimmer sich immer wieder über die Enge beklagen, war ich einfach nur froh, mich nicht mehr verschwimmen zu können. Und wie froh ich erstmal war, als ich nach 1:50h das Wasser endlich verlassen konnte. Miserable Schwimmzeit, aber was soll’s, GESCHAFFT!

Mein Fahrrad war in der Wechselzone einfach zu finden, es waren schließlich nur noch 8 von 2400 da! Und dann ging es auf die Radstrecke, auf der ich mich von Anfang an wohlgefühlt habe. Unbeschreiblich war das Gefühl am ersten der beiden Anstiege, an dem die Zuschauer so dicht standen, dass sie mich den Berg heraufgeschrien haben. So muss es sich anfühlen, bei der Tour de France einen Berg hochzufahren, Menschen über Menschen, ich war völlig beeindruckt. Dass Conny, Bianca und Fabian oben warteten, setzte dem Ganzen noch die Krone auf, ich brauchte erst einmal 20km, um mich von diesen Eindrücken wieder zu „erholen“. In der Zwischenzeit habe ich mich immer wieder nett mit einer Österreicherin unterhalten, die ungefähr im gleichen Tempo wie ich unterwegs war, bergauf aber etwas schneller und bergab wesentlich langsamer war, so dass wir uns in regelmäßigen Abständen überholt haben. So verging auch die erste Runde fast wie im Fluge, selbst der gefürchtete Rupertiberg konnte mich nicht nachhaltig beeindrucken, vor allem weil auch dort Chriss’ Vater als Unterstützung am Straßenrand stand. Die zweite der beiden Radrunden hielt Unangenehmes parat: ein Gewitter mit Hagel bei „meinem“ km 110. Der Himmel öffnete sich und ich konnte die Hand vor Augen kaum noch erkennen, die Straße verwandelte sich in ein Flussbett und die schnellen Abfahrten waren gestorben. Umso beeindruckender, dass immer noch Zuschauer an der Straße standen,großes Kino. Dieser Zwischenfall brachte zwar einen merklichen Temperaturabfall, so dass die 36° nicht im Ansatz erreicht wurden, kostete aber auch Kraft und Konzentration. Wie sehr habe ich mich gefreut, als Conny, Bianca und Fabi auch in der zweiten Runde am Berg angefeuert haben. Wie ich erst später erfuhr, saßen sie schon im Shuttlebus, der zur Abfahrt bereit war, als sie mein Trikot erkannten und schnurstracks wieder am verdatterten Busfahrer vorbei aus dem Bus stürmten, um mir die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Ich sage Euch, solche Leute braucht man bei einem Ironman. So ging auch die zweite Runde vorbei, auch wenn der Rupertiberg seinen Tribut forderte. Aber im Gegensatz zu vielen anderen, die einfach abstiegen und ihr Fahrrad den Berg hochgeschoben haben, bin ich auf dem Rad geblieben, immer die Worte in den Ohren, die Martin mir bei einem unserer morgendlichen Läufe sagte: Wenn du erst einmal absteigst, kommst Du nicht mehr hoch! Und schwupps, hatte ich die ersten 20 Plätze gutgemacht, und das sollte noch so weitergehen.

Den einzigen Verlust, den ich beim Wechsel auf die Laufstrecke zu vermerken hatte, war mein Garmin, der mir verkündete, kein Signal mehr empfangen zu können. Gut, es war warm, und wir waren schon lange unterwegs, aber das ist kein Grund aufzugeben! So musste ich ohne Begleitung, ohne Musik und schlussendlich auch ohne Tempo- und Pulsanzeige 42,195km rennen, da bin ich ganz groß drin. Aber ich habe ziemlich schnell mein Tempo gefunden und bin meinem Vorsatz, keine Gehpausen einzulegen, bis zum Zieleinlauf treu geblieben. Mal wieder haben die Zuschauer ihr Übriges getan und mit Musik, Klatschen und Schreien und mit Gartenduschen das Laufen einfacher gemacht. Ich war selten so nass wie an diesem Tag, aber es half zur Abkühlung einfach ungemein. Und vor allem der kleine Junge, der mir bei km 25 die Füße duschen wollte, war super. Ab diesem Zeitpunkt lief ich dann auch mit einem gewissen Platschen beim Aufsetzen der Füße weiter, aber egal. Einfach weiterlaufen, bei jeder „Labestation“ ein Wasser zum Trinken, eine große Cola und ein Wasser zum Duschen, und weiter ging‘s. Und immer wieder konnte ich die Menschen, die nur noch gehend unterwegs waren, überholen, bei 150 habe ich dann aufgehört zu zählen. Das ist der Vorteil, wenn man ihnen beim Schwimmen ein wenig Vorsprung lässt. Beeindruckend war auch der Lauf durch die Innenstadt von Klagenfurt, wo viele Leute sich zum Abendessen (ja, inzwischen waren mehr als 12h vergangen) in eins der Restaurants am Streckenrand gesetzt hatten. Kaum lief man schreiend und gut gelaunt an diesen Menschen vorbei, haben sie einem noch einmal Kraft für mindestens einen weiteren Kilometer gegeben. Und ganz langsam wuchs die Überzeugung, dass ich in weniger als 2h am Ziel meines Traums sein würde. Auf den letzten Kilometern hieß es nur noch durchhalten. Die Aufforderung eines spanischen Mitstreiters, mein Tempo auf über 12km/h zu erhöhen, um die 14-Stunden-Marke zu knacken, habe ich geflissentlich überhört, und den Kollegen habe ich auch bei km 41 wieder eingesammelt. Und dann ging die unbeschreibliche Freude los. Kurz vor dem Zieleinlauf sprang Fabi, der über 5 Stunden lang mit Bianca und Conny mal wieder Unglaubliches geleistet hat, um Chriss und mich und Tausende anderer Starter anzufeuern, über die Absperrung und begleitete mich auf den letzten Metern. Noch nie bin ich so langsam durch ein Ziel gelaufen, und wie sich das gelohnt hat: YOU ARE AN IRONMAN. Mehr muss ich dazu nicht mehr sagen, oder?

Vielleicht noch, dass Chriss hinter dem Ziel wartete, er war 4min zuvor ins Ziel gekommen, dass wir unsere anschließende Massage sehr genossen haben und ein wunderbares Finishershirt bekommen haben. Unser Supporterteam hat es sich nicht nehmen lassen, für uns die Räder aus der Wechselzone zu holen, so dass wir anschließend erholt und geduscht wieder am Zelt saßen. Und während Chriss ins Bett fiel, machten Conny, Bianca, Fabian und ich uns noch einmal auf den Weg zum Ziel, wo nach über 16h die letzten Läufer begrüßt wurden, unter den Zuschauern auch viele Finisher. Die Stimmung war super und das Feuerwerk im Anschluss rundete die Veranstaltung auf eine großartige Weise ab, unvergesslich!

Das war also unserer Ironman, unser Projekt, das, worauf wir ein knappes Jahr mit vielen Auf und Ab’s trainiert haben. Und das wäre ohne die Unterstützung vieler Seiten nicht möglich gewesen. Und deswegen möchte ich mich bei so vielen von Euch bedanken, die immer wieder an unserer Seite waren.

Zum einen geht der Dank an diejenigen, die uns am Raceday ins Ziel geschrien, geklatscht und gesungen haben: Conny, Bianca und Fabi. Und auch Chriss’ Eltern, die von 5h morgens bis in die Nacht an unserer Seite waren. Danke für eine wunderbare Zeit, wir melden uns, wenn wir unser nächstes Großprojekt planen. Ohne dass Egon im letzten Jahr die Anmeldung klargemacht hätte, wären wir bestimmt nicht zu diesem Zeitpunkt in Klagenfurt gestartet.
Dir, Fabi, auch noch einmal vielen Dank für die langen Läufe, zu denen ich ohne Verabredung mit Dir wahrscheinlich nicht ganz so häufig aufgebrochen wäre.

Zum anderen waren haben uns viele andere auch über das Jahr begleitet. Carsten, der uns vor allem über den Winter mit Trainingsplänen versorgt hat, immer ein offenes Ohr für Fragen und auch Zweifel hatte, vor allem mich auf vielen Runden um den Aasee oder durchs Schwimmbad begleitet hat und im Übrigen vor gut 2 Jahren den Grundstein zu diesem Erfolg gelegt hat. Er war derjenige, der mich zu meinem ersten Marathon geführt hat und auch dann an mich geglaubt hat, wenn ich es mir selber nicht mehr zugetraut hätte. Danke für die Unterstützung und eine wunderbare Zeit!

Martin (und Samson), wir haben zu unglaublichen Zeiten den Aasee umrundet und diese Runden immer weiter ausgedehnt. Ich habe mich selten morgens vor 7h so gut unterhalten, egal ob über lebensentscheidende Dinge, über weniger lebensentscheidende Dinge oder einfach selbst wenn gar nicht, danke Dir für unsere allwöchentlichen Urlaub vom Alltag und ich freue mich schon wieder auf die nächste Runde. Danke übrigens auch an Samson, der mir mit seinen Trink- und Badeeinlagen zwischendurch die nötige Erholung verschafft hat.

Einen großen Dank auch an Astrid, die nicht nur die ein oder andere Runde geduldig mit dem Fahrrad neben mir hergefahren ist oder mit zum Schwimmen gekommen ist. Vielmehr war sie immer wieder eine gute Zuhörerin, Motivatorin und immer da, wenn ich völlig trainingsgestresst wieder in der Uni ankam. Ob bei Kaffee oder auch beim Cocktail, sie hat immer wieder die richtigen Worte gefunden, danke dafür.

Weiterhin haben wir auch von unseren Familien Unterstützung bekommen. Nicht nur, dass sie ihre Urlaubspläne angepasst haben und mit uns nach Lanzarote (danke Mama und Papa) oder nach Klagenfurt (danke Egon und Maria) gefahren sind. Auch sonst waren sie bereit, an vielen Stellen Kompromisse zu machen und haben uns immer wieder unterstützt. Ich weiß, das ihr Euch an der ein oder anderen Stelle viele Gedanken um uns gemacht habt, aber uns am Ende immer wieder unseren eigenen Weg habt gehen lassen, danke dafür!

Toll war auch die Leistungsdiagnostik, durch die uns das Zentrum für Sportmedizin uns ermöglicht hat, unser Training optimal anzupassen und uns so zielgenau auf unser Großprojekt vorbereiten zu können.

Und nicht zu vorletzt waren alle von Euch in irgendeiner Weise beteiligt. Wie oft habt Ihr Euch Dinge wie: „Ich bin heute schon 100km Rad gefahren und deswegen müde“, oder „Wir werden uns auf den Weg machen, morgen um 7h müssen wir wieder ins Schwimmbad“, angehört. Viele von Euch haben uns bei den Trainingseinheiten begleitet, man kann sich nicht nur beim Kaffeetrinken unterhalten. Egal, wie Ihr beteiligt gewesen seid, wir haben es gemerkt und uns immer wieder gefreut, dass unsere tollen Freunde auch in dieser Zeit noch für uns da waren. Wir versprechen hiermit, in nächster Zeit weniger zu trainieren, länger auf Partys zu gehen und mehr Alkohol zu trinken ;-) ! Nein, Scherz, wir werden uns weiterhin über Sportbegleitung freuen, denn ganz können und wollen wir den Sport auf keinen Fall aufgeben.

So, jetzt ist es an der Zeit, meinem Mann zu danken! Chriss, ohne Dich hätte ich diese Ziellinie in Klagenfurt nie in dieser Weise überqueren können. Und das nicht nur, weil mein Fahrrad dreckig und kaputt gewesen wäre.
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass wir unter der Organisation von Job, Haushalt, Hochzeit und Ironman noch Zeit für uns finden würden und nicht in große Streitigkeiten verfallen würden: Du hast mich eines besseren belehrt und an entscheidenden Stellen einen herausragenden Beitrag zu unserer Alltagsorganisation geleistet, alleine hätte ich das nie geschafft!

Danke auch für Deine Bemühungen, wie Du mir unter Protest meinerseits immer wieder die richtige Schwimmtechnik erklärt hast und mich nicht von „Geht nicht, kann ich nicht“ hast beeindrucken lassen.
Wie Du mir auf nahezu jeder Radausfahrt Mut zugesprochen hast und es mir zu keiner Zeit übel genommen hast, wenn ich kurz vor Erreichen der Bergkuppe mein Fahrrad zur Seite „gestellt“ habe und Dir unter Tränen erklärt habe, dass ich diesen oder jenen Berg unter keinen Umständen würde erklimmen können und dass die Berge um Klagenfurt zudem noch viel höher seien, dass ich die dann erst recht nicht erklimmen könne und was mir eigentlich eingefallen sei, so größenwahnsinnig zu sein, bei einem Ironman zu starten. Ja, das habe ich ihm immer wieder erklärt, und er ist NIE sauer geworden, cool, oder?
Danke einfach für ein unglaublich ereignisreiches Jahr, das wir zusammen erleben durfte, ich liebe Dich!

So, das soll’s dann auch von mir gewesen sein, der Ironman ist vorbei, nun neigt sich auch dieser Blog dem Ende. Es war schön, immer wieder von Euch Rückmeldung zu bekommen, ob schriftlich oder mündlich und zu sehen, wie groß das Interesse an uns war! Mit einem guten Gefühl verabschiede ich mich hier, Euch ALLES GUTE!

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