Finish
So bleibt auch mir nur noch ein letzter Blog, irgendwie ein komisches Gefühl.
Karina hat ja bereits die näheren Umstände der Anreise erläutert, so dass es da nichts mehr hinzuzufügen gäbe.
Der Wettkampf begann für mich mit dem Satz des Moderators:“ Die Waschmaschine Wörthersee ist angestellt und es erwartet Euch direkt der Schleudergang!“ Genau so war es, nach den letzten Metern auf dem Sand ging es, den Kopf voran in den See. Hauen und Stechen. Die Sichtweite war unter der Wasseroberfläche gleich null, Luftblasen gab es zur Genüge, dazwischen schwarze Beine und Arme. Die Wassertemperatur lag bei 23 °C, der Einsatz des Neos also eher als grenzwertig anzusehen und es wurde sehr warm in dem Gummianzug. Geschwommen wurden zunächst 1,4 km in den Wörthersee hinein, dann 400m quer und zu guter Letzt wieder 1,4 km zurück. Die letzten fehlenden Meter ging es durch den Lendkanal, dieser von Menschenhand erbaute Kanal führte bis in die Innenstadt von Klagenfurt. Die Breite lag bei ca.6 Metern, aber nur 2 Meter tief und deswegen wurde jeglicher Schlamm aufgewirbelt. Kaum hatte ich die Mündung durchschwommen, nahm ich unfreiwillig einen tiefen Schluck dieser Brühe. Es dauerte keine 50 m, da war mir wirklich schlecht. Ich musste mein Kraulen unterbrechen und erstmal ein paar Brustschwimmzüge machen, um mich nicht direkt zu übergeben. Die letzten Meter wurden zunehmend quälend. Der Ausstieg aus dem Wasser war die Erlösung, allerdings war an schnelles Laufen nicht zu denken. So schlich ich langsam in Richtung der Wechselzone, dort angekommen, schnappte ich mir meinen Wechselbeutel und setzte mich erstmal auf eine Bank. „Du könntest dich hier eine Stunde ausruhen“, schoß es mir durch den Kopf, die Wechselzone, würde erst nach 2:30 h geschlossen werden. Hoffnung keimte in mir auf und nach 5 Minuten des Ausruhens und der Beruhigung meines Magens öffnete ich den Beutel und zog mich um. Ab aufs Rad und hier ging es gut. Bei km 9 nahm ich erstmal Verpflegung zu mir und meine Magen dankte es mir, dass er wieder etwas zu tun hatte. Die ersten 20 Kilometer am Wörthersee entlang waren genau mein Terrain, allerhöchstens wellig, daher lag ich zumeist auf meinem Aufsatz und die Geschwindigkeit konnte permanent hoch bleiben. Einen nach dem anderen kassierte ich so. „Die erste Radrunde sollst du es ruhig angehen lassen“, so hatte es in dem Buch „Mentaltraining für den Triathleten“ gestanden. Hier wurde im ersten Kapitel erläutert, was die häufigsten Gründe für das Versagen bei einer Langdistanz waren. Deswegen achtete ich genau auf meine Pulsfrequenz, diese sollte sich bei ca. 155 Schlägen pro Minute einpendeln. Zudem versuchte ich mich bei jeder Labestation, Verpflegungsstelle hörte sich ja auch zu langweilig an, zu verpflegen.
Es gab Gels, Riegel, Infinit (ein Teufelszeug, ersetzt glaub ich alles, was jemals irgendjemand während eines Wettkampfes vermisst hat (Kohlenhydrate, Salze, Elektrolyte etc.)) Bei jeder Station nahm ich zumindest etwas mit, um es später zu trinken/essen. Die Höhenpunkte der Radrunde waren zum Einen der Anstieg zum Faaker See bei Kilometer 25, zum Anderen der Rupertiberg bei Kilometer 65. Der Anstieg zum Faaker See ließ bei mir eine Gänsehaut entstehen. Wer von Euch hat es nicht im Fernsehen gesehen?, die Bergankünfte der Tour de France z.B. in Alpe d’Huez. Die Menschenmassen am Wegesrand hatten die Straße auf zwei Meter verengt. Außer Brüllen, Pfeifen, Ratschen, Tröten und Anfeuerungsrufen hörte man überhaupt nichts. Der ein oder andere gab einem einen Klaps auf den Po oder schob kurz an. GIGANTISCH! Diesen Moment möchte ich nicht missen. Die Steigung verging wie im Flug, die letzten hundert Meter ging ich sogar aus dem Sattel. Oben Verpflegung aufnehmen und weiter ging es. Beim Rupertiberg waren weniger Menschen, oben allerdings hatte sich ein einzelner Fan und sein mit vielen Megaphonen ausgestatteter Bulli aufgebaut. Hier lief in einer scheinbaren endlosen Schleife „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“, zudem rief der DJ bei jedem fünften Teilnehmer „Du siehst gut aus!“. Leider war seine Anlage so groß, dass man das bereits einen Kilometer vor dem Hügel hörte. Als man dann selbst an der Reihe war, ahnte man, was er sagen würde ;.)
In Runde zwei hatte ich sogar ein Auge für die schöne Strecke. Der Wörthersee ist wirklich eine tolle Gegend. Bei Kilometer 130 setzte dann ein Gewitter ein, mit Hagel bzw. dicken Tropfen. Binnen Sekunden war die Straße mit einem dicken Wasserfilm bedeckt. Ich befand mich auf einer Abfahrt, noch in Runde eins, war ich hier mit Tempo 55 dem Tal entgegen gerast, doch jetzt war ich froh, nicht zu stürzen. „Bitte laß das aufhören!“ und so kam es auch 5 Minuten später, natürlich war ich da bereits im Tal ;.( Schnell trockneten die Straßen und auch meine Klamotten wieder, die Luft war allerdings sehr schwül geworden. Es kam daher einer Erlösung gleich, als ich den Rupertiberg passiert hatte und wieder in Richtung Klagenfurt unterwegs war.
In der Wechselzone ließ ich mir wieder einige Zeit beim Umziehen. Bammel hatte ich. Laufen, das hat im Training nie so richtig geklappt, warme Temperaturen liegen mir gar nicht…..die Vorzeichen waren also mehr als schlecht, so glaubte ich. Mein Garmin und unsere Supporter belehrten mich aber sofort eines besseren. Meine Pace lag auf den ersten Kilometern zwischen 7:15 und 7:45 km/min. Bekannte Gesichter zu sehen, spornte mich zusätzlich an. Doch mit jedem Kilometer wurde es mit dem Laufen schwerer. „Lass Dir nicht einfallen zu gehen“, so hatte es mir Carsten eingebläut. Enttäuschen wollte ich ihn keinesfalls, aber die Beine waren so schwer. Jeder Schritt wird zur mentalen Herausforderung. „Beweg Dich!“ spornte ich meine Füße an. Bis zur Halbmarathonmarke kam ich so doch voran. Es war 18:00 Uhr, seit 11 Stunden war ich unterwegs. Der längste Tag, so bezeichnen die Athleten gerne einen Ironman, und genau so war es.
17 h – 11 h = 6 h.
Mir sollten also noch 6 h verbleiben. „Mich kriegt Ihr nicht! DAS hole ich mir jetzt! Ich will diese blöde Medaille!“
Bei Kilometer 27 musste ich allerdings doch gehen, zu schwer waren meine Beine. Meine Pace lag inzwischen in den hohen 8er Zeiten. Bei Kilometer 28 und einer Labestation, an der es crushed Ice für die Athleten gab (das ich mir nur all zu gerne in meine Laufkappe streute), konnte ich wieder in einen leichten Trab verfallen. Es war eine Pendelstrecke, und so entging mir nicht, dass Karina sich anschickte, mir noch den Schneid abzukaufen. Mir war vollkommen klar, wenn sie dich einholt, dann würde es doch noch eine ganz schwere Kiste. Bei Kilometer 32 besuchte ich erstmals an diesem Tag ein stilles Örtchen. Kurzzeitig hatte große Angst, dort einzuschlafen, aber ich stand so unter Strom, dass ich mich nach 10 Minuten wieder auf den Weg machte. Bei Kilometer 37, inmitten der Klagenfurter Innenstadt traf ich Karina, sie musste noch 500 m bis zum Wendepunkt zurücklegen. „Los! Die anderen warten alle auf Dich!“ feuerte mein Schatz mich an, „und die willst Du nicht enttäuschen“, ergänzte ich im Kopf. Es geschah etwas, was ich bisher nicht kannte.
Nach 13:30 h bekam ich die zweite Luft. „Es ist dein Tag! Zeig es Ihnen!“ und irgendwie lief ich wie im Rausch. Meine Pace sank auf 5:45 h/km. Fragt mich bitte nicht, wie man diesen Zustand erreicht, aber die letzten 5 Kilometer lief ich schneller, als ich es zumeist im Training vermocht hätte. Kurz vor dem Einlauf in das Zielarreal kam nochmal eine Kreuzung. Rechts ging es auf die Laufrunde, Links zum Ziel. Kurz hinter der Kreuzung, auf der rechten Seite befand sich eine Labestation. „Du hast es geschafft, genieß es!“, so holte ich mir erstmal noch eine kalte Cola, verwirrte den Volunter, der dort seinen Dienst tat. Denn ich war ja erst vermeintlich auf die Laufrunde abgebogen und kam dann doch zurück, um in Richtung des Ziel zu gehen. GEHEN! Die Dämmerung hatte eingesetzt, Musik ist zu hören, der Moderator war gut zu verstehen. Niemand vor mir, niemand war hinter mir zu sehen. Also genoß ich den Gang ins Ziel über den blauen Teppich! Es war geschafft! Mit einem gewissen Stolz ließ ich mir die Medaille um den Hals hängen.







